Mittwoch, 31. Oktober 2018

Geschlossen: Denkmal Nr. 384

Das evangelische Gemeindehaus an der Schultstraße in Bruckhausen ist seit heute, pünktlich zum Reformationstag, geschlossen worden. Ein großer Teil des Grundstücks ist bereits vor Jahren verkauft und mit phantasielosen Wohnungsblöcken bebaut worden, die die historische Bebauung der Schul- wie der Dieselstraß beeinträchtigen.

Das Haus selbst ist 1903 errichtet worden. An seine hübsche Front mit den Gemeinderäumen schließt ein Saalbau an- die letzte erhaltene Notkirche aus der Gründerzeit im Ruhrgebiet.Mit der Schließung des Gemeidehauses endet auch die "Stadtteilküche". Seit Jahren konnten Bedürftige im Gemeindehaus warm für wenig Geld zu Mittag essen. 

Die  Front an der Schulstraße, rechts die neue Bebauung

An die repräsentative Front des Gebäudes schließt der Saalbau mit der Notkirche an

Mittwoch, 13. Dezember 2017

Zwangsräumungen in Marxloh - Die Geschichten von Gülsen und Papusa

Papusa
Papusa, ihr Mann Felix, die vier Kinder und Oma Luca haben vor einem guten Jahr ihre Wohnung in der Gillhausenstraße bezogen, nachdem sie aus der vorherigen Wohnung in der Hagedornstraße zwangsgeräumt worden sind. Die Wohnung hatte zwar nie eine Zentralheizung, mithilfe von elektrisch betriebenen Heizgeräten war die Wohnung im Vergleich zur vorherigen Wohnung jedoch gut warm zu bekommen. Papusa sprach immer von einer Luxuswohnung, die Familie fühlt sich hier wohl und hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Für einen positiven Jobcenterbescheid hat es jedoch bisher nicht gereicht. Immerhin bekommt die Familie nun, nach Monaten des Papierzerrens von Seiten der Kindergeldkasse, endlich Kindergeld. Mit der Gesundheit der alten Luca steht es nicht zum Besten, seit Jahren ist sie an der Parkinson Krankheit erkrankt, die lange Zeit nicht behandelt worden ist, auch ihre Diabetes wurde hin und wieder mit den nötigen Medikamenten versorgt, immer dann, wenn Freunde aus Rumänien Medizin geschickt hatten. Da die Familie keinen Krankenversicherungsschutz hat, muss Luca zum Arzt jetzt immer in die Stadtmitte zur Malteser Migranten Medizin, manchmal fährt sie nicht dorthin, dann fehlt das Geld für das notwendige Bahnticket. Papusa kann seit mehr als einem Jahr nicht richtig essen, sie habe einfach keinen Appettit, ihre Sorgen um die Familie würden ihr den Magen zuschnüren.

Nach der Räumung aus ihrer Wohnung an der Gillhausenstraße ist die sieben köpfige Familie bei Schwägerin Livia nebenan untergekommen. Livia lebt in einer 2,5 Zimmer Wohnung mit ihrem Mann, den drei Kindern und ihrer Schwiegermutter. Jetzt ist es sehr eng geworden, für Luca eine Zumutung. Sie schüttelt mehr denn je, sprechen möchte sie meistens nicht. Überhaupt ist ihr Gesicht gezeichnet, die gut 60-jährige geht nur noch sehr schleppend und beschwerlich und fragt immer wieder nach, wann sie denn endlich sterben dürfe. Während der Räumung bricht Papusa immer wieder zusammen, völlig entkräftet fragt sie was sie falsch gemacht hat, wofür sie bestraft würde.

Gülsen
Gülsen und ihre Familie wohnen nun schon seit geraumer Zeit in der Gillhausenstraße. Nach vielen anfänglichen Schwierigkeiten mit den Behörden, bei der Job und Wohnungssuche, hat sich die junge Familie in Marxloh gut eingelebt. Man fühlt sich wohl und vor kurzem wurde sogar in ein TV Gerät investiert, daß nun noch per Ratenzahlung abbezahlt werden soll. Am 12. Dezember hat Tochter Derya Geburtstag, sie wurde fünf Jahre alt, es sollte eigentlich groß gefeiert werden. Die Geschenke hatte Gülsen schon eingekauft und im Schlafzimmer gut versteckt.

Am 29.11.2017 dann, gegen 9 Uhr morgens hatte sich die sogenannte Task Force Zutritt zur Wohnung verschafft. Mitarbeiter des Ordnungsamtes laufen durch die Wohnung und überprüfen die Papiere der Familie. Sie sind unfreundlich und wollen jedes Zimmer sehen, Notizen werden gemacht. Derya weint, Güsen kennt das Vorgehen bereits von den Erzählungen verschiedener Freunde und Bekannten. Das Haus und auch ihre Wohnung findet Gülsen völlig in Ordnung, sie hofft noch, daß es bei der Überprüfung bleibt. Die Behördenmitarbeiter verlassen die Wohnung um kurz danach mit der Ansage wieder zu kommen, es bestünde Gefahr in Verzug, die Familie müsse binnen zwei Stunden die Wohnung verlassen. Man könne ein paar Habseligkeiten zusammenpacken und dann raus. Die Familie erhält eine Kontaktnummer beim Ordnungsamt, dort könne sie einen Termin machen um ein weiteres Mal in die Wohnung zu gehen. Gleich am nächsten Tag möchte Gülsen dann doch noch ein paar Sachen holen, u.a. den Schulranzen ihres Sohnes. Bis dahin war die Familie gefasst und guter Hoffnung bald wieder in die Wohnung zu können. Die Miete sei immer bezahlt worden, das Haus in einem akzeptablem Zustand. Als sie dann mit einem Mitarbeiter der Behörde ihre Wohnung betritt, ist die komplette Wohnung verwüstet, das TV Gerät, die Geschenke für Derya und die Kaffeemaschine sind weg, Schubladen wurden aus den Schränken gerissen, Gülsen ist fassungslos, sie erkennt ihre Wohnung nicht wieder.


Die Stadt Duisburg, verantwortlich für die Gebäudesicherung, sollte für den entstandenen Schaden aufkommen, so die Mutmassung des hinzu gezogenen Anwaltes. Gülsen ringt auch Tage später noch um Fassung, sie versteht nicht, warum die Stadt Duisburg ihr das Leben derart schwer macht. Deryas Geburtstag wurde im kleinen Kreis in der Wohnung von Freunden in der Rudolfstraße gefeiert, bei der die Familie zunächst mal unterkommen konnte.


Text: Sylvia Brennemann  Fotos: Katrin Gems


Donnerstag, 5. Oktober 2017

Brand an der Heinrichstraße

Am 03.10.2017 geriet das seit langem in städtischem Besitz befindliche Haus an der Heinrichstraße neben dem Haus der Familie Hagedorn in Brand. Die Flammen schlugen bis zum Dach hoch, laut Artikel der NRZ (https://www.nrz.de/leerstehendes-haus-in-bruckhausen-abgebrannt-id212125023.html) ist die Ursache des Brandes noch ungeklärt. Die Stadt hat die Gebäude rechts und links des Hagedornschen Hauses bereits vor Jahren aufgekauft um sie für den "Grüngürtel" genannten Flächenabriss des halben historischen Stadtteils Bruckhausen abzureißen. Familie Hagedorn hat der Stadt ebenfalls schon vor Jahren angeboten, die beiden unbewohnten Häuser, die ihr Haus einrahmen, zu kaufen und zu renovieren. Die Stadt lässt sie aber verfallen und will weiterhin das Haus der Familie Hagedorn erwerben um es ebenfalls abzureißen. (mehr zum Thema: Post vom 16.11.2013: Briefe an den Oberbürgermeister, Solidaritätserklärung der Piratenpartei mit Familie Hagedorn vom 10.12.2013) Das rechts stehende Gebäude, das nun gebrannt hat, war nur durch einen einfachen Bauzaun gesichtert, Löcher in den Hauswänden bieten leichten Zugang ins Innere des Gebäudes. Gestern flammte der Brand noch einmal auf. 

Nach dem Brand: Die Heinrichstraße am 04.10.2017


 

 

Donnerstag, 6. April 2017

Bruckhausen - Machtspiel oder Stadtmasssaker - Galerie Arbeiterfotografie, Köln


Filmclip der Galerie Arbeiterfotografie, Köln zur Podiumsdiskussion zur Ausstellung "Bruckhausen - Beispiel oder Machtspiel"

Donnerstag, 9. Februar 2017

Das Ende der Dieselstraße

09.02.2017 Dieselstraße Bruckhausen

27.07.2012 Dieselstraße Bruckhausen

23.10.2008 Dieselstraße Bruckhausen