Donnerstag, 21. März 2013

Vernichtung einer Kulturlandschaft



Dieselstraße mit Hochofen 4 am 14.03.2013
Dieselstraße mit Hochofen 4 am 18.02.2013
Abriss in der Dieselstraße 2010


Die Dieselstraße mit Hochofen 4 am 23.10.2008
Matenatunnel unteres Ende (Alsum)
Schon einen Monat länger gesperrt, als angekündigt: Der Matenatunnel am 18.03.2013
"Die Dichte der historischen Bebauung und deren anschauliche Zuordnung zu den gegenüberliegen Werksanlagen haben das Rheinische Amt für Denkmalpflege veranlasst, hier die Ausweisung eines Denkmalbereiches anzuregen. Straßen und Plätze des Denkmalbereiches Bruckhausen: Bayreuther Straße, Dieselstraße, Eilperhofstraße, Franz-Lenze-Straße, Heinrichplatz, Heinrichstraße, Kaiser-Wilhelm-Straße, Kronstraße, Matenastraße, Ottokarstraße, Reinerstraße, Schulstraße, Wilhelmplatz" 

Denkmaltopographie Duisburg-Nord, Denkmäler im Rheinland, S. 272  

"Mit den Anlagen des Hüttenwerkes westlich der Kaiser-Wilhelm-Straße ist Bruckhausen ein Stadtteil, bei dem auf engstem Raum der Wandel städtebaulicher Planungsvorstellungen, die Unterschiede im spekulativen und unternehmerischen Wohnungsbau, Gestaltung der öffentlichen Bauten, die soziale Gliederung der damaligen Arbeiterwelt anhand historisch gut erhaltener Gebäude aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg anschaulich werden. Diese für die Industrieregion in dieser Vollständigkeit einmalige Siedlung ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie Besiedlung und Industriealisierung städtebaulich umgesetzt wurden. Die darin enthaltenen Einzelbauten sind denkmalwerte, unverwechselbare Vertreter architektonisch-städtebaulicher Entwicklungsströme." 

Anlage zur Eintragung in die Denkmaliste des Evangelischen Gemeindehauses an der Schulstraße, Untere Denkmalbehörde der Stadt Duisburg, 19.09.1995


"Wann immer in den letzten Jahren das Ruhrgebiet, wie es war und - vor allem von außen - am liebsten gesehen wird, ins Bild gesetzt wurde, war er als Zeuge zur Stelle: der Hochofen 4 von ThyssenKrupp in Duisburg-Bruckhausen, wie er sich, eine achtzig Meter hohe Großapparatur, am Ende der Dieselstraße, meist mit dem Teleobjektiv herbeigezoomt, bildmächtig erhebt. Seht her, so die Botschaft des Bildes, es gibt noch das alte Ruhrgebiet, wo es die Sonne schwer hat, durch die von Abgaswolken belastete Luft zu dringen, und Werk und Wohnen eng nebeneinander liegen. Kein Hochofen in Deutschland wurde so oft fotografiert und gefilmt. Horst Schimanski ermittelte vor der Kulisse im „Tatort“, Günter Wallraff hat, als er 1983 als „Türke Ali“ bei Thyssen malochte, hier in der Dieselstraße 10 gewohnt." 

"Deutschlands bekanntester Hochofen, Das Fotomodell wird geschleift" Andreas Rossmann, FAZ  29.07.2012 Zum Artikel

"Ortsgeschichtlich ist die Matenastraße eine weit in die vorindustrielle Vergangenheit zurückzuverfolgende Verbindung zwischen dem Fischerdorf Alsum und der Bruckhausener Bauernschaft. Während viele Wegeverbindungen innerhalb der Bauernschaft im Zuge der industriellen Entwicklung des Werks Bruckhausen verschwanden, hat die Matenastraße in einer transfomierten Form Bestand: Ihre Trasse, wie auch die Verlegung unter die Erde, folgen den Anforderungen der Industrie, berücksichtigen zugleich aber auch die Erfordernisse der Kommune nach einer Beibehaltung der Wegebeziehung durch das Werksgelände der GDK (Gewerkschaft Deutscher Kaiser). Die Form der Verbindung als leicht gekrümmte Straßen- und Tunneltrasse resultierte aus den Verkehrsvorstellungen von 1910 und wurde mit der Verwirklichung einer für Hamborn  wichtigen Straßenbahnverbindung verknüpft. DIe Bedeutung des Matenatunnels für die Geschichte der Städte und Siedlungen, insbesondere des Duisburger Nordens, wird durch den Umstand gesteigert, dass nicht nur die Bauernschaft Bruckhausen durch das gleichnamige Quartier überformt wurde, sondern auch Alsum als historischer Ort (1139 erstmals erwähnt) heute verschwunden ist. In der Matenastraße ist insofern nicht nur die vorindustrielle Wegebeziehung, sondern auch die industrielle Wegebeziehung zwischen Orten ablesbar,  die durch den fortdauernden Transformationsprozess im Duisburger Norden selbst nicht mehr erlebbar sind. 

Eintragungstext zur Unterschutzstellung als Denkmal, 28.08.2012 Untere Denkmalbehörde der Stadt Duisburg  

Sonntag, 24. Februar 2013

Karawanserei Bruckhausen

Ausgehend von den Qualitäten, die Bruckhausen besitzt, hat eine Studentengruppe der Bauhaus-Uni Weimar/ des Werkbund jung als Vorschlag an Rat und Verwaltung der Stadt Duisburg für eine sinnvolle Verwendung der Sanierungsgelder einen Konzeptansatz für einen Wiederaufbau von Bruckhausen entwickelt. Wo preiswerter Wohnraum vernichtet worden ist, soll wieder etwas Neues entstehen, die Wunden, die dem Stadtteil durch den Flächenabriss zugefügt worden sind, sollen durch etwas Typisches und Zukunftsweisendes im Sinne einer wirklichen Sanierung geheilt werden. In Bruckhausen hat die Verbindung von Wohnen und Gewerbe Tradition, die Hinterhöfe boten und bieten geschützten Raum und Lebensqualität. Diese städtebauliche Tradition greift der Entwurf ebenso auf, wie er die Zuwanderer als Potential für die Zukunft des Stadtteils wie des Ruhrgebiets begreift. Die lokale Ökonomie soll gefördert werden, statt Einkaufszentren als Großprojekte wie Ufos auf grünen Wiesen oder sogar dort, wo Menschen leben, landen zu lassen. 

Die erste Diskussion des Konzepts im Sanierungsbeirat hat gezeigt, dass sich die Bruckhausener auch wieder mehr Wohnraum wünschen. In einer Planungswerkstatt mit der Studentengruppe und den Bewohnern des Stadtteils soll auf Grundlage des Konzeptansatzes der Karawanserei und  des Konzepts der Sanierung von 2003/2004, das noch keinen Abriss in Bruckhausen vorsah,  ein gemeinsamer Entwurf für die Zukunft des Stadtteils entstehen. Die Planungswerkstatt ist offen für alle interessierten Bürger. Termine und Ort werden in Kürze bekanntgegeben.

Zum Konzeptansatz Karawanserei Bruckhausen

Vor dem Kahlschlag: Plan der Sanierung 2003/ 2004

Und sie bleiben doch! Deutschlandfahrt im Deutschlandradio Kultur ab Minute 34: Pierre Kramann-Musculus vom Werkbund jung im Interview zur Karawanserei Bruckhausen


So könnte sie aussehen: Die Karawanserei Bruckhausen, Bild: Valerie Stephani

Der Freitagsmarkt auf dem Heinrichplatz mit seinem vielfältigen Angebot und seiner mediterranen Stimmung ist einer der Anknüpfungspunkte für die Karawanserei Bruckhausen

Freitag, 22. Februar 2013

Der Grün-weg-Gürtel

Die Stadt Duisburg hat in den letzten Tagen umfangreich Grünpflanzen in Bruckhausen entfernen lassen. Weichen müssen auch die Gärten im Hinterhof des Eckgebäudes Kronstraße/ Bayreuther Straße. Hier sollen nun Ausgrabungen stattfinden. 2010 war ganz in der Nähe ein spätantikes Grubenhaus ausgegraben worden. Die Besitzer der Gärten wissen zwar schon länger, dass ihre grünen Gärten dem "Grüngürtel" weichen müssen, erfuhren aber erst vor einer Woche durch einen Handzettel, dass es jetzt soweit ist. Eine alte Dame zeigte uns voller Trauer ihre Feigenbäume und erzählte uns, dass sie Erde aus ihrer Heimatstadt in der Türkei im Garten verteilt hatte...Die wilden Müllkippen hingegen sind trotz zahlreicher Beschwerden bei Gesundheits- und Ordnungsamt  noch immer nicht abgeräumt worden.

Ein Schild fordert die Gartenbesitzer auf, ihre Gärten zu räumen

Die Gärten im Sommer

Handzettel

Die Gärten im Sommer
Einer der Gärten

Regentonnen
Eine der Gartenbesitzerinnen räumt Ihren Garten
Der Bagger räumt ab
Überreste

Zuschauen müssen

Tiefe Furchen im Grabungsgebiet
Auch an der Dieselstraße/ Bayreuther Straße wird gerodet

Dieselstraße 21.02.2013

Der Müll wird nur noch mehr aufgetürmt, aber nicht weggebracht

Das Grundstück hinter der Bayreuther Straße 19, die sich in städtischem Besitz befindet.

Sonntag, 17. Februar 2013

Grüße aus der Innenstadt

Im November 2012 waren Studenten der Europäischen Urbanistik der Bauhaus-Universität Weimar für eine Woche in Bruckhausen zu Gast, um sich über den Flächenabriss zu informieren. In unterschiedlichen Projekten haben sie sich mit der Situation und den Betroffenen auseinandergesetzt. Eine Gruppe hat eine Grußkarte gestaltet und in der Duisburger Innenstadt stichprobenartig Passanten angesprochen und gebeten, den betroffenen Menschen in Bruckhausen einen Gruß zu schreiben. Einige dieser "Grüße aus der Innenstadt" sind hier zu finden:

Hier geht's zu weiteren Grüßen aus der Innenstadt

Mit herzlichem Dank für diese schöne Mutmachaktion nach Weimar!!!

22.11.2012 Studenten der Uni Weimar im Gespräch mit betroffenen Bruckhausenern im Schwarzen Diamanten


Vorderseite der Grußpostkarte


Ein Gruß aus der Innenstadt


Freitag, 15. Februar 2013

Mittwoch, 30. Januar 2013

Duisburg - Wie in einem anderen Land

"Hausbesitzer Senel beklagt, dass auf dem angrenzenden Grundstück, das der Stadt gehört, ein Müll- und Sperrmüllberg wächst: "Das wird im Sommer Ratten anziehen." Auch gegen den Vandalismus solle die Stadt etwas unternehmen. Überall sind Scheiben eingeworfen - Ghetto-Atmosphäre. Dabei sollten Abriss und Grüngürtel der "Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität" dienen, verkündete der Duisburger Stadtrat, als er 2007 das Sanierungsverfahren beschloss" ... (Harald Schumacher: Wie in einem anderen Land, in: Wirtschaftswoche 5/ 2013, S. 43)

Zum Artikel in der Wirtschaftswoche vom 28.01.2013

Das Haus der Familie Senel mit dem stetig wachsenden Müllberg auf dem Nachbargelände, 03.02.2013
 

Samstag, 5. Januar 2013

Wasser und andere Scherben

Gestern abend war die Polizei vor Ort weil Wasser aus dem von der Stadt leergezogenen, denkmalgeschützten Haus Kronstraße 20 strömte, heute vormittag wurde das Wasser abgestellt.

Die durchnässte Fassade der Kronstraße 20

Die Schaufensterscheibe des ehemaligen Reisebüros an der Hauptstraße wurde offenbar schon vor einigen Tagen eingeworfen. Die Polizei sicherte das Gebäude heute, nachdem sie telefonisch über den Zustand informiert worden war (siehe unten).

An der Kaiser-Wilhelm-Straße Ecke Bayreuther Straße befinden sich noch immer einige Hinterlassenschaften des Abrisstrupps. Darunter auch mehrere Container mit gefüllten Säcken.
Die nach Anruf bei der Polizei verschlossene Schaufensterscheibe an der Kaiser-Wilhelm-Straße (Handyfoto: Nils Kanschat)