Mittwoch, 27. November 2013

Kultur zum Wegwerfen: Schwarzer Diamant in Gefahr

Vor gut zwanzig Jahren forderte das Rheinische Amt für Denkmalpflege die Unterschutzstellung des historischen Bruckhausen als Denkmalbereich. Erst 2007, also bereits zu Zeiten der offiziellen Planung der Immissionschutzwallattrappe für ThyssenKruppSteel, die beschönigend "Grüngürtel" oder, noch zynischer, sogar "Park vor der Haustür" genannt wird und den Abriss des größten Teils des geplanten Denkmalbereichs vorsieht, beschloss das Amt, die Werksanlagen von Thyssen mit in den Denkmalbereich einzubeziehen, vermutlich um so seine Nichtrealisierbarkeit darstellen zu können, denn, so lautete die Erklärung, Werksanlagen in Betrieb könne man  nicht unter Schutz stellen und damit "leider" auch den Stadtteil nicht. Inoffiziell erfuhren wir, "man wolle der Stadt Duisburg keine Steine in den Weg legen". Tatsächlich scheint das "Steine aus dem Weg rollen" für den Abriss zur Haupttätigkeit der Denkmalbehörden geworden zu sein. 

Mit ständigem Verweis auf die Weisungsgebundenheit fand die Untere Denkmalbehörde bei der Prüfung von 191 "Verdachtsfällen" in Bruckhausen, also Einzelgebäuden, die zunächst denkmalwert erschienen, lediglich einige Gebäude in der Kronstraße, die die Gewerkschaft Deutscher Kaiser hatte bauen lassen und die damit die historische Besonderheit Bruckhausens, das "spekulative" Bauen bürgerlicher Unternehmer, gerade nicht beschrieben, denkmalwert. Das einzig andere Gebäude, das man schützenswert fand, war der "Schwarze Diamant" einen Traditionsgaststätte an herausgehobener Position an der Hauptstraße des Ortes, die viele Hinweise auf die Ortsgeschichte, wie z.B. den Hamborner Löwen über der Tür der Gastätte, oder die sehr schönen und gut erhaltenen Bleiglasfenster aufweist - und das ohne Zweifel schützenswert ist.  Nun steht aber gerade dieses Gebäude nach Auffassung der Stadt Duisburg "dem Grüngürtel im Weg", sein Abriss scheint bereits beschlossene Sache zu sein. 

In den letzten Tagen sind nun am Schwarzen Diamanten mehrere Scheiben eingeschlagen worden, auch einige der alten, historisch  bedeutenden, bleiverglasten Fenster im Erdgeschoss sind bereits beschädigt worden. Türen  aus der Innenaustattung des Hauses finden sich als Absperrung eines eingeschlagenen Schaufensters des Nachbarhauses. Der darauf angesprochene Beamte der Unteren Denkmalbehörde wies auf unsere Beschwerde darauf hin, das eine Abrissgenehmigung für den Schwarzen Diamanten vorliege. Es mangelt offensichtlich so sehr an Engagement, das nicht einmal die Elemente des Gebäudes, die historische Bedeutung besitzen und leicht vor dem Abriss zu  retten wären, sichergestellt werden. Denkmalschutz als Farce.

Der Schwarze Diamant am 27.11.2013

Eingeschlagenes Fenster im Erdgeschoss

Historische Türen als preisbewusste Absperrung 27.11.2013

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