Samstag, 14. April 2012

Alle Tage Tag der offenen Tür

Viele Häuser in Bruckhausen sind inzwischen von der Stadt "leergezogen" worden. Leerstehende Gebäude ziehen Plünderer an, das kennt man auch aus Gebieten, in denen für den Braunkohletagebau abgerissen wird. Was tut die Stadt gegen die Plünderer, die Unsicherheit im Stadtteil verbreiten? Die Tag und Nacht in den Häusern Metall ausbauen, alles mitnehmen, was nicht niet- und nagelfest ist und auch vor Gasrohren nicht halt machen, so dass es in Bruckhausen seit einiger Zeit häufiger Gasalarm gibt und die Bewohner Angst haben müssen, dass ihnen eines Tags alles um die Ohren fliegt? Nichts. Pro forma werden Stahlplatten in die unteren Fenster und Türen gesetzt, was scheußlich aussieht und Hoffnungslosigkeit verbreitet, aber gegen Plünderer nicht wirkt. Die Stahlplatten wirken eher als Markierung: Dieses Haus steht leer, hier kann geplündert werden. In vielen Fällen stehen die Häuser aber auch einfach offen. Ruft man beim Ordnungsamt an, um sich über diesen Zustand zu beklagen, hört man den Satz: "Wird doch sowieso abgerissen..." oder wird hingehalten.  Auch die Doppelvilla an der Kronstraße steht wieder offen. Kaum zu glauben, dass dort immernoch geplündert wird,  schließlich war sie monatelang offen, was kann man da noch mitnehmen? Aber trotzdem sie zumindest vorläufig unter Denkmalschutz gestellt worden ist, hat die EG-Du ihren Abriss beantragt...Zweifellos tragen diese Zustände dazu bei, weitere Bewohner zu vertreiben und weitere Häuser "leerzuziehen." Zudem verschlechtert sich der Zustand der Gebäude zusehends, so dass man das gewünschte Bild des heruntergekommenen Stadtteils in der Öffentlichkeit präsentieren kann. Man könne gegen die Plünderer nichts tun, wird eingewandt. Doch, man kann. Wer einen Stadtteil zur Hälfte leeren will, muss allerwenigstens für die Sicherheit der Bewohner sorgen. Regelmäßige Polizeistreifen könnten helfen, besser wäre ein Wachdienst. Das ist zu teuer? Ja, Flächenabriss ist eben eine extrem teure Angelegenheit, wenn er nicht zu Rechtlosigkeit führen soll. Man könnte viel Geld sparen, würde man Bruckhausen erhalten und das wäre dann einmal nicht auf Kosten der Menschen gespart. 

12.04.2012 Bayreuther Straße

12.04.2012 Bayreuther Straße

12.04.2012 Die Doppelvilla an der Kronstraße, Rückseite. An der Vorderseite ist seit einigen Tagen wieder ein Loch im Dach.



Aber auch die Abrissarbeiten führen zur Belästingung der Anwohner und zur Verbreitung von Hoffnungslosigkeit. Das Haus an der Bayreuther Str. 2a, das Fischerhaus, das vor ein paar Wochen zertrümmert worden ist, liegt noch immer genauso als Trümmerhaufen da, wahrscheinlich, damit die Anwohner sich besser vorstellen können, wie ihre Häuser bald aussehen werden. 

12.04.2012 Die Trümmer des Hauses Bayreuther Str. 2a



Und das "Zwischengrün"? Noch 2010 verkündete die Abwicklungsgesellschaft Duisburg (EG-DU) man wolle die Abrisslücken begrünen, um eine Verwahrlosung des Ortes zu verhindern. Später begrenzte man das "Zwischengrün" (was für ein Wort) auf die Fläche an der Bayreuther Straße neben der grünen Villa. Dort nutzte man die Vorgärten und Gärten der bereits abgerissenen Häuser für das zeitlich begrenzt existenzberechtigte Grün. Ob dort aber jetzt noch jemand sitzen oder spielen möchte? Direkt  neben der Fläche türmt sich der Schutt eines "entkernten" Hauses, damit man ihn besser sehen kann, hat man schon einmal die Gartenmauer eingerissen.  Und auf der anderen Straßenseite liegt der Trümmerhaufen der Bayreuther Straße 2a. So ein schönes "Zwischengrün"... 

12.04.2012 "Zwischengrün" mit Entkernungsmüll im Hintergrund. Ein Abenteuerspielplatz?

12.04.2012 "Zwischengrün" mit Trümmerhaufen

12.04.2012 Vom "Zwischengrün" aus ungehindert zu betreten: Entkernungsmüll.



Vorgeblich soll der "Grüngürtel" den Bewohnern von Bruckhausen eine Verbesserung ihrer Wohnsituation bringen. Man müsse den halben Stadttteil abreißen, um den Rest stabilisieren zu können, behauptet die EG-Du. Offenbar muss man ihn dazu erst einmal völlig destabilisieren? Man kann schon heute sehen, wie diese Maßnahmen zum Glück des Stadtteils führen werden...Die absurde Logik der Flächensanierer hat bereits in den 70er Jahren zu großem Unglück und unwiederbringlichen Verlusten an historischer Bausubstanz geführt. Die Argumentation hat sich nicht geändert - die Ergebnisse werden ebenfalls keine anderen sein.

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