Dienstag, 17. April 2012

Mahnwache

Unten einige Impressionen von der heutigen Mahnwache gegen die menschenunwürdige "Stadtentwicklungs"politik in Duisburg, sowie ein Text zum heutigen Tag von Sylvia Brennemann.

17.04.2012 Gruppenbild

17.04.2012 Siegfried Baumeister und Michael Höhn

17.04.2012 "Wir bleiben hier"
Im Namen der Menschlichkeit- Sozialverträgliches Umzugsmanagement-
Untergang eines Stadtteils dauert inzwischen 40 Jahre

Unter der Überschrift „ Bruckhausen- ein Stadtteil kämpft“ hat der damalige Pfarrer von Bruckhausen, Michael Höhn in den 70ziger Jahren, eine Broschüre in Umlauf gebracht, die an Aktualität Nichts eingebüßt hat. Schon damals gab es für den alten Duisburger Stadtteil weitreichende Pläne, Bruckhausen dem Erdboden gleich zumachen. Der Widerstand der engagierten Bewohnerinnen und Bewohner hat diese Pläne immer wieder vereitelt und den Totalabriss verhindert. Die Pläne wurden jedoch nie so ganz vergessen. Seit nunmehr 2005 wird der Vorort des Thyssen Krupp Konzerns wieder von Baggern bedroht. Inzwischen haben die Abrissbirnen schon erheblichen Schaden angerichtet.
 
All diese Pläne, so wird gegaukelt und gelogen dienen letztlich nur der Lebensqualität und der Gesundheit der Bürger. Der seit 40 Jahren drohende Verfall, mache angesichts sinkender Einwohnerzahlen ein solches Vorhaben notwendig. Die verantwortlichen Politiker und der benachbarte Konzern garantieren bei der Umsetzung ein sogenanntes „sozial verträgliches Umzugsmangement“. Dieser, so häufig verwendete Begriff, lässt tausende Betroffene im Duisburger Norden inzwischen zusammen zucken. Nahezu inflationär oft wird hier eine Begrifflichkeit missbraucht, die in ihrer Umsetzung nicht weniger ist, als die Vertreibung von Menschen, Vernichtung von Wohnraum und Zerstörung von gewachsenen Strukturen. 
Zur Zeit lebt in einer der betroffenen Strassen tatsächlich noch Manfred H., offenbar vergessen wohnt er mit seinem Hund und seinen Katzen in einem Haus, in dem es keine Fenster mehr gibt, der Lärm der um ihn herum arbeitenden Bagger und der damit verbundene Staub machen jedes gesunde Leben unmöglich. Sozial verträglich hat man ihm eine Wohnung angeboten, die für ihn als schwerbehinderten Menschen alles andere als barrierefrei ist. Bisher hat man ihm mehrfach um seinen Umzugswillen zu beschleunigen, mit Steinen die Fenster eingeworfen. Bisher ist er Verletzungen entgangen, der letzte Stein landete unmittelbar neben seinem Kopf. Die zerstörten Fenster wurden durch Plexiglas ersetzt und einfach auf die Rahmen geschraubt. Leider kein Einzelfall. Viele der Vertriebenen haben sich ihrem Schicksal ergeben und haben den Stadtteil verlassen.
Auf den Reissbrettern der zuständigen Planer entstehen längst riesige Einkaufszentren und andere utopische Bauvorhaben, für deren Entstehung man eben zu solchen Massnahmen greift. Für die finanziellen Interessen von Konzernen und Investoren mutet man dem Duisburger Norden eine Menge zu und das schon mehr als 40 Jahre. Unter dem Deckmäntelchen von Begrifflichkeiten wie „ Grüngürtel“, „Sozialverträglichkeit“, „ Chance für den Norden“ und „ Steigerung der Lebensqualität“sollen diese ausschliesslich kapitalen interessen dienenden Pläne an die Bevölkerung verkauft werden. Ein Umdenken scheint nicht möglich. Scheinbar alternativlos werden solche skrupelosen Pläne immer wieder forciert. Eine von den Konzernen diktierte Politik. Wann und wo ein Stadtteil entsteht oder abgerissen wird, wird von eben diesen Konzernen entschieden und die verantwortliche Politik dient als Vollstrecker.
Letztlich ist es nur dem ewig währendem Widerstand der Betroffenen zu verdanken, dass oft mit großem Erfolg diese Pläne vereitelt und durchkreuzt wurden.

Eindruck von der Mahnwache Heinrichstrasse Bruckhausen, 17.4.2012
Sylvia Brennemann
 






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